„ATLAS“ (2024) | Filmreview

„ATLAS“ (2024) | Filmreview

29. Mai 2024 Aus Von Thorsten Boose

Bezug zu Jackie Chan: keiner vorhanden

„Gott, war das befriedigend!“

Man mag von JENNIFER LOPEZ halten, was man will, aber eines kann man ihr nicht absprechen: Die Frau legt eine eiserne Disziplin an den Tag, wenn es um ihr Top-Aussehen mit Mitte 50, ihre damit verbundene Gesundheit und ihren Einsatz an Action-Filmrollen geht.

In ATLAS (2024) spielt sie eine Analystin, die seit ihrer Kindheit einer abtrĂŒnnigen KI auf der Spur ist. Als sie kurz vor ihrem Ziel steht, wird sie ungewollt mit sogenannten KI-Soldaten ins Gefecht geworfen. Alle sterben, außer sie. Ist klar.

Bis hierhin konnte ich ĂŒber ein paar Logikfragen hinwegsehen, aber damit hatte mich der Film endgĂŒltig verloren. Wie unvorbereitet muss ein Billionen-schwerer MilitĂ€rstrupp sein, um beim ersten Gefecht 100 % an Mann und AusrĂŒstung zu verlieren? Und wie schlecht mĂŒssen die Analysten sie vorher beraten haben?

Logikfragen lassen diesen Sci-Fi-Film echt verkommen und man fragt sich ernsthaft, ob die Autoren nicht wissen, wie eine KI, eine kĂŒnstliche Intelligenz, funktioniert. Warum sonst quĂ€lt Filmheldin ATLAS zu Beginn einen Roboter zu Tode, der seine KI ĂŒberall hin hochladen kann? Die KI ist eine Software, die nicht sterben kann. Das wird der Analystin auch mehrfach gesagt. Aber sie ignoriert es oder kann es mit ihrem menschlichen Verstand nicht erfassen.

Aber ohne die ganzen Actionszenen, in denen viel kaputt geht, wÀre es mit einem simplen EMP getan. Hallo, Matrix! Einen ungewollten Lacher entlockt mir dann ein KI-Mechwarrior, der doch tatsÀchlich auf die korrekte Handhabung seiner Pronomen verweist. Netflix kann es nicht lassen.

Ich hab echt versucht, den Film zu mögen, aber er tut es einem nicht leicht. Denn die ganze Geschichte dreht sich nur um eine Frau, die dank einer KI lernt, was es heißt zu vertrauen. Dabei wird sie so emotional, dass es die kalten Herzen von Transhumanisten wieder zum Schlagen brĂ€chte. Ich find’s seltsam und skurril.

Viel interessanter hĂ€tte ich die Entwickung der kleinen ATLAS gefunden, die zusammen mit der ersten KI in einem Boston Dynamics Roboter aufwĂ€chst, bis die KI der Menschheit dann in den RĂŒcken fĂ€llt. Der darauffolgende Kampf nach freundschaftlicher Liebe, VerstĂ€ndnis und techno-soziokultureller Revolution ĂŒber 30 Jahre hĂ€tte einen tiefgrĂŒndigen Blockbuster abgeben können.

So wurde Simu Liu leider in zu wenig Screentime verschlissen, J.LO als Heldin wird es zu leicht gemacht und alles in allem war es halt mal wieder sowas. Fans von J.LOs Markenzeichen, ihrem Allerwertesten, kommen dennoch auf ihre Kosten – sie mĂŒssen aber bis zum Schluss dran bleiben. Auch sie kann’s nicht lassen. Nicht, dass ich beschwere, ich weise nur daraufhin.

FĂŒr mich ist JENNIFER LOPEZ vorrangig immer eine SĂ€ngerin gewesen und hat das Schauspiel nebenher betrieben. DafĂŒr leistet sie gute Arbeit. Ich denke, Fans feiern den Film. Ich bin da weniger die Zielgruppe.

Dystopische 3,7 von 10 Sternen

Deutscher Trailer | „ATLAS“ (2024)

Alle Poster, Fotos und eingebettete Trailer gelten als Kleinzitat fĂŒr dieses Filmreview und sind urheberrechtlich geschĂŒtzt.
© ASAP Entertainment, Berlanti Productions, Moving Picture Company, Netflix Studios, Nuyorican Productions, Safehouse Pictures, Schecter Films