Asian Hawk-eye: Diese Filmfehler hat Jackie Chan aus ARMOUR OF GOD herausgeschnitten
Manchmal entdeckt man in Filmen und Serien Dinge, die nicht dorthin gehören. Sei es der Starbucks-Becher in GAME OF THRONES, ein vergessener Pappaufsteller in DREI MÄNNER UND EIN BABY oder Mikrofone, die aus Versehen in zahlreichen Filmen ins Bild hineinrutschten. Jackie Chans ARMOUR OF GOD – DER RECHTE ARM DER GÖTTER (1986) schießt in der Kategorie der besten Filmgoofs allerdings den Vogel ab.
In meinem vorangegangenen Artikel „Die gelöschten Szenen von Jackie Chans ARMOUR OF GOD – DER RECHTE ARM DER GÖTTER (1986)“ habe ich auf eines der größten Probleme während des Drehs hingewiesen, Jackies fataler Unfall. Dies zog viele Konsequenzen nach sich, darunter:
- Drehpause von mehreren Monaten
- Umschreiben des ursprünglichen Skripts und Drehplans
- Continuity-Fehler wegen Jackies Frisur
- Jackie muss als Regisseur einspringen
- Ein anderes Bildformat
- Ausländische Drehs mit viel Tricks und Kniffen
Da ARMOUR OF GOD im März 1985 offiziell von Eric Tsang als sein nächster Film als Regisseur angekündigt wurde, war klar, dass er in seinem Lieblingsfromat Widescreen (1.85:1) drehen würde. Jackie Chan war zu jenem Zeitpunkt noch nicht Teil des Projekts, zumindest nicht offiziell. Als dieser dann zum Hauptdarsteller ernannt wurde und seinen schweren Unfall am Set in Jugoslawien hatte, musste Regisseur Eric Tsang nach mehreren Monaten des Wartens wegen vollem Terminkalender allerdings aussteigen.
Nun stand Jackie Chan vor einer Herausforderung, die die Basis dieses Artikels ist: Jackies Lieblingsformat war CinemaScope (2.35:1), siehe zum Beispiel POLICE STORY (1985). In CinemaScope muss alles passen, während man im Widescreen-Format im Schnitt noch etwas Spiel nach oben und unten hat. Was damals wegen der Maskierung am Projektor niemand in der Fassung fürs Kino sehen konnte, wurde für das 4:3-Format (1.33:1) von Fernsehern zuhause deutlich, weil man ARMOUR OF GOD im Vollbild, ohne „störende“ schwarze Streifen oben und unten darstellen wollte („Open Matte“).
Um eines vorab klarzustellen, dies ist keine Schuldzuweisung an irgendjemanden vom Filmteam, vor allem nicht an die Assistenzregisseurin Fanny Leung Man-Yee (梁曼儀), die laut Abspann auch als Continuity-Beauftragte am Set tätig war – eine undankbare Aufgabe gerade für die problematische Produktion von ARMOUR OF GOD. Film ist Teamarbeit, was anhand der Fotos deutlich wird.
↑ Der Asian Hawk alias Jackie schafft es in der Anfangssequenz zwar, das Schwert der Rüstung Gottes von einem afrikanischen Eingeborenenstamm zu stibitzen, doch anscheinend nicht ohne Trittleiter und voriger Ruhepause unter seinem Sonnenschirm. Natürlich Ausrüstung für die Filmcrew, um alles in Position zu bringen.


↑ Jackie lässt sich normalerweise Zeit beim Drehen seiner Kampfszenen. Doch hier schien es ihm nicht schnell genug gegangen zu sein. Oder warum sonst erkennt man noch die aus dem Bild weggezogener Filmklappe, während Jackie schon in Action ist? Die schaulustigen Statisten – oder sind es Crew-Mitglieder? – im Hintergrund erkennen wir auch nur in der 4:3-Fassung des Films.
↑ Aus heutiger Sicht fast lächerlich, doch 1986 musste man handwerklich begabt sein, um eine schwere 35 mm Filmkamera als Actioncam an ein Auto zu montieren, welches über zwei Brücken in einen Haufen von Pappkartons fliegt. Ob die Kamera überlebt hat, ist fraglich. Das Filmmaterial hat es und es ist fantastisch. Als Kind dachte ich beim Sichten des Films auf dem Röhrenmonitor, dass sich das linke Hinterrad gelockert hätte.
↑ Höhlen sind feucht, und wenn sie von bösen Drogenmönchen bewohnt werden, kann das ständige Tropfen vielleicht auch einen Gang gefährlich rutschig für sie in ihren Kutten machen. Anders kann ich mir den roten Eimer hier nicht logisch innerhalb der Geschichte erklären. Durch die rote Farbe wirkt er allerdings so deplatziert, dass man nicht umhin kommt zu denken, dass er eher hinter die Kulissen gehört.



↑ Genauso wie diese Matratze. Hattet ihr euch auch beim ersten Mal Ansehen dieser Filmfassung gefragt, warum vor Alans und Lauras Gefängnisgrotte eine Matratze liegt? Ich versuchte es mir oft mit dem Aspekt der Drogen zu erklären – Junkie-Schlafstätte. Doch das wäre echt zu weit hergeholt. Wie praktisch aber für Jackies Knie. Diese Stunt-Requisite, um Jackies Sprung abzufedern, sollte definitiv nicht im Film zu sehen sein und ist es auch nicht in der Kinoversion.
↑ Während Jackies Dialog mit Alan erkennen wir dann ein weißes Irgendwas vor der Kamera baumeln. Vielleicht eine Box zum Dimmen des Lichtes. Auf jeden Fall fällt es auf.



↑ Nicht so auffällig hingegen sind die heruntergeworfenen Steine am oberen rechten Bildrand in der finalen Szene. Zwei Crew-Mitglieder warten auf ihren Einsatz, um die Pappbrocken theatralisch an Jackie Chan vorbeizustoßen. Einer von ihnen ist deutlich mit beiden Händen, Armen und Kopf sichtbar.
↑ Während des Fallschirmsprungs erkennen wir die obere Kamerablende, was in diesem Fall absolut verständlich ist, handelt es sich doch um einen echten Fallschirmsprung, bei dem der Kameramann die 35 mm Filmkamera vielleicht halbblind bedienen musste – auf jeden Fall ohne Kontrollmonitor.


↑ Tja, und Jackies finaler Sprung auf den Ballon fand nicht in großer Höhe statt, sondern auf dem Boden außerorts von Paris am Flughafen Auxerre. In der Kinoversion sind die Bäume im Hintergrund bzw. die Nähe zum Boden nicht zu erkennen.
Die „Open Matte“ / 4:3-Fassung (1.33:1) des Films gelang über VPD nach England und über New Vision, Polygram und Arcade nach Deutschland. Das englische VHS-Cover ist absolute Spitze genau wie das Artwork von Polygram, doch die darin enthaltenen Filmfassungen leider zu dunkel. Dennoch schaffte es diese 4:3-Fassung auch im DVD-Zeitalter auf Scheibe weitergereicht zu werden, auch nach Deutschland in der Masterpiece Edition. Seitdem erhalten wir weltweit nur noch die maskierte Widescreen-Kinoversion (1.85:1).
Für das Filmerlebnis sicherlich besser, doch ich fände es konsequent und gerecht für die Nerds unter uns Fans, wenn Labels künftig das volle „Open Matte“-Bildmaterial der 1.85:1-Fassung als Bonus auf ihre Releases packen – am liebsten remastered, um die dunklen Szenen auch genießen zu können.




