Mega-Review zur „Rush Hour“-Fernsehserie mit Jonathan Foo und Justin Hires

Mega-Review zur „Rush Hour“-Fernsehserie mit Jonathan Foo und Justin Hires

11. Dezember 2022 Aus Von Thorsten Boose

Die „Rush Hour“-Filme kennt man nicht nur, wenn man Fan von Jackie Chan ist. Diese haben einen so großen Impact in der Kinogeschichte hinterlassen, dass man zumindest mal davon gehört haben muss. Wer aber von euch weiß, dass es auch eine Fernsehserie aus dem „Rush Hour“-Universum gibt?

Von den Machern der originalen „Rush Hour“-Filme, nämlich Brett Ratner, Arthur Sarkissian und Ross LaManna, wurden dreizehn Folgen in nur einer Staffel produziert. Noch während die ersten Episoden in den USA auf CBS ausgestrahlt wurden, erhielt die Serie so viele schlechte Reviews, dass schon nach Folge acht vorzeitig Schluss war! Tatsächlich entschied sich CBS kurzerhand, die restlichen fertig produzierten Folgen doch noch auszustrahlen.

Wer jetzt aber mit Jackie Chan und Chris Tucker als Hauptakteure der Fernsehserie rechnet, der irrt sich. Justin Hires und Jonathan Foo übernehmen die Rollen der beiden Detectives Lee und Carter. Jonathan Foo hatte zum damaligen Zeitpunkt schon mehrmals mit Jackie Chan und seinem Stuntteam gefilmt, das hier allerdings nicht mit an Bord war.

Ich nahm mir die TV-Serie Folge für Folge im Herbst 2022 vor, als TELE 5 sie in ihrer Senderpremiere jeden Donnerstag ab 20:15 Uhr mit einer Doppelfolge ausstrahlte. Das Serienfinale enthielt drei Folgen am Stück. Anbei folgt also ein ausführliches Review zu jeder einzelnen Folge.

Warnung: Spoiler

Um es gleich vorab zu sagen: Ich werde viel spoilern. Einfach aus dem Grund, weil ich ein unterhaltsames Review schreiben wollte, dass so viele Aspekte wie möglich untersucht. Ich gehe also nicht nur auf die Story jeder einzelnen Folge ein, sondern verfolge auch den Plot der gesamten Serie.

Hintergrundinformationen, Eastereggs und Filmbezüge werde ich ebenso beschreiben. Wer also zuerst die Serie schauen möchte und dann meine Meinung dazu lesen mag, der möge jetzt bitte aufhören zu lesen. Ihr wurdet gewarnt.

Episodenliste & Reviews

1 | Hongkong oder Hollywood | Pilot

VÖ (DE): 17.11.2016 | VÖ (USA): 31.03.2016
Regie: John Turteltaub
Drehbuch: Bill Lawrence, Blake McCormick, Jim Kouf & Ross LaManna, Idee: Ross LaManna

In der Pilotfolge finden die Detectives Lee aus Hongkong und Carter aus Los Angeles wegen eines Kriminalfalls zusammen. Im Grunde wird hier der gesamte Plot von „Rush Hour“ (1998) in 45 Minuten gequetscht.

Jonathan Lee (Jon Foo) ist Polizist in Hongkong und mit seiner Schwester Kim (Jessika Van) an einem großen Fall dran. Der große Bruder verhätschelt seine Schwester und schützt sie, wo er nur kann, doch Kim will sich beweisen. Als sie eines Tages im Kommando zum Schutz der Terrakotta-Armee von der Gang Quantou überfallen wird, verschwindet sie spurlos. Die Spuren führen nach Los Angeles, wo der exzentrische Detective James Carter (Justin Hires) einen Fall untersucht, der letztendlich zu Lees Problem führt.

Beide Cops tun sich zusammen, um das Kartell Quantou auffliegen zu lassen. Dabei entdecken sie zwar die Terrakotta-Armee, aber auch, dass Lees Schwester Kim die Seiten gewechselt hat und nun für die Bösen arbeitet.

Viele Szenen und Einstellungen der Pilotfolge sind dem ersten „Rush Hour“ von 1998 nachempfunden. Doch die Einführung in die Story und die Charaktere läuft so schnell ab, dass man sich als Zuschauer überrumpelt vorkommt und kaum eine Beziehung aufbauen kann. Da hilft es auch wenig, wenn man Fan der Original-Trilogie und schon mit dem Ambiente vertraut ist.

Die Serie führten einige große Köpfe der Trilogie mit Jackie Chan und Chris Tucker an, darunter Brett Ratner, Ross LaManna und Arthur Sarkissian. Selbst die Rolle von Chris Tuckers Sidekick Johnson, hier als Didi Diaz gespielt von Aimee Garcia, taucht auf. Kleine Veränderungen gibt es: Carters Chef ist eine Frau namens Captain Lindsay Cole, das LAPD wirkt diverser und die umgedrehten Größenverhältnisse zwischen Lee und Carter sind auffällig und wirken sich meiner Meinung nach negativ auf den Humor zwischen den beiden aus.

Was 1998 noch als beschmunzelnder rassistischer Humor galt, wurde 2016 dem Zeitgeist angepasst und einfach aus dem Drehbuch geschrieben. Die Szene, in der Carter seinen Cousin Gerald in der Pool-Bar aufsucht, wurde fast 1:1 nachgedreht. Doch Jackies Szenen, in diesem Fall die von Jonathan Foo, wurden radikal gekürzt. Hier kommt es ohne Wortgefecht und Missverständnisse zwischen zwei Kulturen direkt zum Handgemenge, einfach so. Dabei sind es gerade diese kulturellen Unterschiede, die beide „Rush Hour“-Charaktere in der Original-Trilogie immer wieder in gefährlich-lustige Situationen bringen.

Wo wir gerade von Handgemengen reden. Die Action bleibt in der Pilotfolge nicht aus, zumindest versuchen die Macher, an das Original heranzukommen. Parkourszenen, Verfolgungsjagden, Faustkämpfe – doch zünden will es nicht. Das liegt an vielen Dingen, die Shaky Handkamera ist wahrscheinlich ausschlaggebend. Durch ihre verwackelten Aufnahmen kann der Zuschauer kaum einem Schlag oder Tritt folgen. Die hektische Schnittfolge mit bis zu 15 Cuts pro 10 Sekunden trägt ihr Übriges dazu bei. Auch hier bringt es wenig, dass Jonathan Foo als Stuntman und Martial Artist auf Kampferfahrung vor der Kamera zurückgreifen kann. Auch er arbeitete in der Vergangenheit mehrmals mit Jackie Chan und seinem Stuntteam zusammen, doch die Choreografie dieser TV-Serie reicht nicht mal annähernd an diesen hohen Standard heran.

Alles in allem wirken gerade die Kämpfe wie eine 90er Jahre TV-Serie, was thematisch eigentlich passend wäre, da „Rush Hour“ zur Prime Time der 90er lief. Doch den Charme verliert der Auftakt komplett. Selbst Jackie und Chris hätten das nicht retten können, dafür haben beide zu viel Leinwandpräsenz für den kleinen Bildschirm.

Der Pilot ist zwar kurzweilig und mag ein kleines Publikum ansprechen, aber ich bin mir fast sicher, dass dies nicht das Publikum ist, welches die Filme liebt. Der Spagat der Macher zwischen einer Neuauflage mit alten Gags und Reboot ohne Filmbezüge misslingt zum größten Teil – es wirkt, als wäre man sich nicht sicher gewesen, welche Richtung man einschlagen wollte.

2 | Blut ist dicker als Wasser | Two Days or the Number of Hours Within that Timeframe

VÖ (DE): 17.11.2016 | VÖ (USA): 07.04.2016
Regie: Peter Weller
Drehbuch: Blake McCormick

Während eines Einbruchs in Beverly Hills von maskierten Tätern werden die Opfer bestohlen und ermordet. Das LAPD soll eingreifen. Mittlerweile hat Lee eine feste Stelle von Captain Lindsay Cole erhalten, die den stoischen Chinesen mit einem asiatischen Orlando Bloom vergleicht. Was mit seinem alten Chef in Hongkong ist? Das weiß niemand.

Lee und Carter arbeiten an dem Fall zusammen, während sie dazwischen weiterhin versuchen, den Fall um Quantou und Lees Schwester zu lösen. Nach einer wilden Verfolgungsjagd zu Fuß wird Carters Cousin Gerald mit einer aus dem Haus aus Beverly Hills gestohlenen Luxusuhr gestellt und befragt.

Gerald, der in „Rush Hour“ (1998) noch Luke heißt, wird hier ohne Facetten als dümmlicher Kleinstganove dargestellt, was sich mit dem naiven Geist von Carter beißt. Man wünscht sich abwechslungsreichere Figuren schon in der zweiten Folge, da auch Lee zu ernst, zu emotionslos gespielt wird. Und während den ganzen Ermittlungen versucht Carter immer noch den Vornamen seines neuen Partners herauszufinden.

Eine schöne Hommage gibt’s dabei an Bruce Lee und später Jackie Chan selbst. Doch auch diese Gags zünden irgendwie nicht, sie laufen ins Leere. Die Leinwandchemie von Justin Hires und Jonathan Foo scheint nicht zu stimmen, das Abliefern der Punchlines findet meist unbemerkt im Hintergrund der Aufmerksamkeit des Publikums statt. So zum Beispiel, wenn Carter total erschöpft nach einem 1A-Parkourlauf von Lee hinterhertrottet.

Was ein Chris Tucker mit Overacting nach der artistischen Profivorlage von Jackie Chan perfekt abgeliefert hätte, dümpelt in der TV-Serie einfach vor sich hin, ohne einen großen Nachhall beim Publikum zu hinterlassen. Man merkt richtig den Unterschied zwischen TV und Kinofilm und fragt sich, ob „Rush Hour“ überhaupt fürs TV adaptierbar ist.

Auch in der zweiten Folge sind die choreografierten Kämpfe durch zu viele und schnelle Schnitte und der Handkameranutzung unästhetisch und nervig. Kaum eine Aufnahme findet in der Totalen statt. Jon Foo ist zwar nicht unbeweglich, aber bestimmte Kicks misslingen ihm hier, was wirklich erstaunt. Leider ein Fall für den Kampfchoreografen, dem während der strengen Produktionsauflagen eines Fernsehprojekts wahrscheinlich ebenfalls wenig Zeit eingeräumt wurde.

Die Serie begeht einen großen Fehler. Sie hält sich selten an die Richtlinie „Show, don’t tell!“ und wirkt eher wie eine in Zeitraffer abgespulte Nacherzählung. Zumindest erfährt der Zuschauer am Ende von Folge zwei den vollen Namen von Lee.

3 | Krumme Geschäfte | Captain Cole’s Playlist

VÖ (DE): 24.11.2016 | VÖ (USA): 14.04.2016
Regie: Sylvain White
Drehbuch: Brian Chamberlayne & Steve Franks

Während einer nächtlichen Graffiti-Aktion eines dem Zuschauer noch unbekannten, vermummten Künstlers kommt es im Nachbargebäude zu einem Mord, von dem der Künstler ungewollt Zeuge wird. Als er hastig das Weite sucht, wird er von den Gangstern verfolgt – erfolglos. Lee und Carter erreicht unterdessen die Nachricht, dass der stellvertretende Staatsanwalt nicht mehr auffindbar ist. Na, ob diese Aktionen in Verbindung zueinanderstehen?

Während Folge drei mit dunklen Parkour-Szenen und ein paar kleineren Bodycam-Shots eröffnet wird, stellt man sich als Zuschauer berechtigterweise die Frage, ob der bekannte „Rush Hour“-Charme der Filme endlich auftaucht. Spoileralarm: leider nein.

Denn auch wenn die Macher in die Hip-Hop-Soundkiste greifen, für die ganz bekannten Titel hat das Budget wohl nicht ausgereicht. An dieser Stelle sei der preisgekrönte Soundtrack des ersten und zweiten Rush-Hour-Films erwähnt, die beide durch fantastische Tracks und Skits aufwarten.

Irgendwie führen die Spuren schnell und für den Zuschauer fast nicht logisch nachvollziehbar zu einem Gangster, der in Los Angeles das Drogengeschäft führt. Die Autoren waren bei der Vergabe des Namens wenig kreativ, er wird einfach als „der Russe“ bezeichnet. Als ob es in Hollywood nicht schon genug einheimische Gangster gäbe. Lee und Carter sollen ihn ausfindig machen und dabei greifen sie auf die Hilfe eines Freundes zurück.

Gerald, Carters Cousin, hilft den beiden Detectives beim Aufspüren des auf der Flucht befindlichen Graffiti-Künstlers und dem Niederstrecken vom Russen. Aber warum tut er das? Die Motive von Gerald bleiben in der Folge ein Geheimnis, die Existenz der Figur des Geralds hat nur einen Grund: die Story voranzubringen, wo es die Hauptfiguren Lee und Carter nicht schaffen. Und seltsamerweise ist Lee in Folge drei schon vollkommen im LAPD und den USA integriert – was ist mit seiner Dienststelle in Hongkong und seinen Kontakten?

Hier geht viel von dem ach so charmanten Culture Clash zwischen Ost und West verloren, was den Witz – heutzutage würden manche Sprüche tatsächlich als rassistisch angesehen werden – zwischen Lee und Carter ausmacht. Schade. Trotzdem freut man sich als Zuschauer kurz über den Auftritt eines 15-jährigen Xolo Maridueña, einem der Hauptdarsteller der Erfolgsserie „Cobra Kai“, die aus dem „Karate Kid“-Franchise entstammt, zu dem Jackie Chan und Jaden Smith 2010 eine Art Reboot beigesteuert haben.

Einen weiblichen Cameo feiert Mama Fresh Prince, Vernee Watson, die Will Smiths Mutter in „Der Prinz von Bel-Air“ (1990-1996) spielte; Will Smith war Produzent des „Karate Kid“-Reboots mit Jackie Chan und seinem Sohn Jaden.

Das war’s dann aber auch schon in der Folge. Noch ein paar kleine Fights mit schrecklicher Handkamera und viel zu schnellen Schnitten, um der Choreografie mehr Würze zu verleihen, und der Russe ist tot. Wieder ein Gangster weniger in LA, dank der Zusammenarbeit eines seltsamen Teams, das keinerlei Leinwandpräsenz aufweist und nicht zu harmonisieren scheint. Jon Foo legt zwar körperlich echt vor, angesichts der plumpen Story, die heruntergespult wird, und der unterdurchschnittlichen Kameraführung kommt davon nicht viel rüber.

4 | Explosive Botschaften | LA Real Estate Boom

VÖ (DE): 01.12.2016 | VÖ (USA): 21.04.2016
Regie: Jimmy Muro
Drehbuch: Cindy Fang

Was Folge vier angeht, habe ich gemischte Gefühle. Tatsächlich finde ich, dass die Story Potenzial hat für eine tolle Episode und wenn man sich dem Ganzen richtig annimmt, sogar für einen abendfüllenden Spielfilm. Die Story ist sehr verstrickt und der Zuschauer erfährt erst nach und nach, was eigentlich vor sich geht. Daher unterscheidet sie sich von den ersten drei Folgen.

Gerald will Lee helfen, der zurzeit ein Leistungstief durchlebt, eine neue Bleibe zu finden. Lee ist Minimalist und ihm reicht eine bescheidene Unterkunft aus, doch Gerald ist ein Mann von Welt und weiß, was Lee wirklich fehlt, um sein Mojo wieder zu erlangen: ein Zuhause.

Während Gerald sich im zweiten Akt vom Zuschauer unbemerkt auf die Suche nach einer neuen Wohnung für Lee macht, muss der mit seinem Partner Carter einen komplizierten Mord am Stadtrat Joseph Pena aufklären, der in seinem Auto in die Luft geflogen ist. Genauso wie der Kiffer Dennis Peterson in seinem Wohnwagen und beinahe der steinreiche Chef von Krieg Commercial. Doch den können Lee und Carter von seiner Stuhlbombe in alter „Indiana Jones“-Manier retten.

Wer sich auf der Metaebene mit der Rush-Hour-Trilogie beschäftigt, kommt nicht umhin zu bemerken, dass Schöpfer Brett Ratner stark von Indiana Jones beeinflusst wurde. Dieses Video zeigt einige Parallelen der beiden erfolgreichen Franchises auf:

Nach langem Hin und Her wird zwar der Täter gefunden, allerdings ist das Motiv doch sehr fragwürdig und verpufft im Verlauf der Auflösung der Folge. Folge vier dreht sich eigentlich nicht um einen weiteren Kriminalfall, sondern will vielmehr die neuen Wurzeln von Lee in den USA vertiefen, seiner neuen Heimat. Leider vermischen sich beide Storylines so sehr, dass keine von beiden so richtig zum Höhepunkt kommen will.

Ein Running Gag wird hier zweimal wiederholt, nämlich wie Diaz Carter mit einer Recherche zuvorkommt. Lustig, aber nicht immer lustig. Leider verpassen die Autoren der Folge, dass Diaz das Bombenentschärfungskommando anführt, was an Teil eins der Trilogie erinnern und den feministischen Charakter von Hollywood-Plots festigen würde.

Apropos Heimat, was ist eigentlich mit Lees Schwester, der Verräterin, passiert? Und wieso wird eine Statistin auf der Treppe beim banalen Zusammenstoß mit Lee von Carter mit dem Namen Walters angesprochen? Fehlt Lee etwa eine Frau im Leben? Wird hier eine Romanze für die nächsten Folgen eingeleitet? Warten wir es ab.

Im Übrigen ist die Folge ganz kurzweilig, wenngleich nicht wirklich besonders oder gar unterschiedlich von den ersten Episoden. Allerdings merkt man, dass die Autoren Cousin Gerald zum Serienclown befördern, während Lees Figur immer weniger zu sagen hat und schon mal gar nicht witzig ist. Dafür gelingt Justin Hires mit einem Michael-Jackson-Tanz eine kleine Referenz zu Teil eins der Erfolgstrilogie, der nur von Jon Foos Rückwärtssalto getoppt wird.

5 | Angriff auf Revier 7 | Assault on Precinct 7

VÖ (DE): 08.12.2016 | VÖ (USA): 28.04.2016
Regie: John Putch
Drehbuch: Trey Callaway

Eines vorne weg: Die musikalische Untermalung von Lalo Schifrin fehlt. Was in den ersten Folgen mit einem Mix aus Pop- und Hip-Hop noch teilweise funktionieren mag, findet in dieser Folge leider seinen Tiefpunkt. Der Soundtrack zur Serie wirkt unpassend, untermalt keine emotionalen Entwicklungen und dient lediglich als auditiver Zeitvertrieb, um die nächste Szene einzuleiten.

Mit so viel Kritik starten wir erstmal in die Handlung ein, die mit einem Rückblick auf vier Folgen „Rush Hour“ beginnt, um den Zuschauer daran zu erinnern, dass die verlorene Schwester von Lee gar nicht so verloren ist. Wird sie etwa ihr Serien-Comeback feiern?

Ein freundliches Beisammensein am Essenstisch von Didi Diaz leitet die Folge ein und versucht, den Culture Clash zwischen Ost und West zu verdeutlichen, indem Gerald als Bestrafung für sein Schummeln beim Brettspiel einen Wedgie bekommen soll. Auf die Frage Lees, was das denn sei, antwortet Carter, dass man einem die Unterhose hochzieht. Einen Swirlie, also jemandes Kopf in die Kloschüssel stecken, kenne man wohl auch nicht in Hongkong, so Carter, während im Nebenzimmer Gerald tatsächlich einen Wedgie bekommt.

„Show, don’t tell!“ lautet ein Leitsatz für Drehbuchautoren, der in der „Rush Hour“-Serie leider viel zu oft ignoriert wird. Das Resultat: Als Zuschauer fühlt man sich als Beobachter eines Erzählers, der Szene an Szene reiht und nicht wirklich weiß, wo er die Pointe setzen soll.

Kim, Lees Schwester, taucht mitten in der Nacht im Haus von Diaz auf, wo Lee seit seinem Umzug in einem Zimmer wohnt. Woher sie das weiß, bleibt ein Rätsel, aber nehmen wir einfach an, sie beobachtet ihren Bruder. Lee wird von einem Albtraum wach, dessen Zeuge der Zuschauer in einer Rückblende wird: Die Geschwister schauen als Kinder in Hongkong „Walker, Texas Ranger“ (1993-2001) mit Chuck Norris, als die dortige Polizei ihnen vom Tod ihrer Eltern berichtet.

Kim sucht in dieser Folge ihren Bruder auf, um ihm von einer Frauenschmugglerbande zu erzählen, für die sie komischerweise selbst arbeitet. Es folgt ein Kampf im Dunkeln, der kaum sichtbar ist, von emotionaler Geschwisterrivalität nichts zu spüren. Nach einer nächtlichen Verfolgungsjagd fragt man sich, wieso Kim ihrem Bruder Infos gibt, die sie selbst belasten können. Dennoch meldet der pflichtbewusste Lee diesen Vorfall, enthält dem LAPD und auch seinem Freund und Partner Carter die Information vor, dass es sich um seine kleine Schwester handelt.

Das Vertrauen zwischen Lee und Carter wird mit dem Störfaktor Kim deutlich und man erwartet als Zuschauer einen komplexen Storyaufbau. Enttäuscht wird man auch eigentlich nicht, denn als Lee seine Schwester ausfindig macht, werden neue Figuren in die Serie eingeführt: der Drache (James Hong) leitet aus einem unschönen Gebäudekomplex heraus sein Gangsterbusiness. Die Gruppe um Quantou, zu der Kim Lee auch gehört, agiert in Hongkong im großen Stil und will mit dem Menschenhandel in Los Angeles und den gesamten USA Fuß fassen.

Während sich die Story entfaltet, dürften dem aufmerksamen Zuschauer der ein oder andere Bezug zu „Rush Hour 2“ (2001) auffallen: Der unbemerkt von der Decke hängende Lee, der Showdown im Spa und kleinere Aufnahmen von Kim Lee im Outfit von Zhang Ziyi. Auch wenn die Bezüge sicher bewusst gesetzt wurden, ihre Wirkung verpufft beinahe vollkommen, da die rassistischen Sprüche wie „verdammte weiße Doofnase“ oder „Chinamänner“ so lieblos geschrieben und abgeliefert werden, dass man peinlich berührt mit den Augen rollen muss.

Die Kampfchoreografien sind zudem unter aller Kanone und in zu dunkler Umgebung aufgezeichnet. Auch wenn Lewis Tan als Bösewicht endlich eine gewisse Leinwandpräsenz in die Serie bringt, so endet sein Fight gegen Lee so schnell, wie er begonnen hat. Auch die Nebenhandlung um Gerald, Carters Cousin, der jetzt wieder als Kleinganove Geld machen will und für Gags sorgen soll, wirkt verloren. Gerald darf immer dann auftauchen, wenn Carter jemanden finden muss. Als Detective hat Carter echt wenige Optionen, was seine Informanten angeht. Und warum Gerald in einer einzelnen Szene auf einmal Golf spielt, ist auch vollkommen absurd.

Man merkt der Serie an, dass sie unter den harten Hollywood-Bedingungen der Units gedreht wurde. Niemand durfte sich sein eigenes Wasser holen, dafür war der Waterboy zuständig. Die Choreo machte der Choreograf, die Aufnahmen die Kameramänner, aber abgesprochen hat sich keiner. Action, cut, die Nächste. Das ist TV-Fließbandarbeit. Übrigens bemängele ich nach fünf Folgen auch mal die Schriftart des Vorspanns, denn die hätten sie wirklich schöner gestalten können. Eine Hommage an die 80er Bit-Typos sähe anders aus.

Bevor man gelangweilt die immer wieder aufkommenden Fragen während einer Folge „Rush Hour“ zu beantworten versucht, um sie dann doch geistig ins Archiv zu packen, lösen die Macher das Rätsel um Kim Lee auf. Sie ist tatsächlich eine Agentin, die in Quantou eingeschleust wurde, um das kriminelle Syndikat von innen heraus zu zerstören. Captain Cole weiß das jetzt, muss es aber für sich behalten.

6 | Im Visier des Kartells | Welcome Back, Carter

VÖ (DE): 15.12.2016 | VÖ (USA): 05.05.2016
Regie: Steve Boyum
Drehbuch: Brittany Hilgers & Krystal Houghton-Ziv

Die vergangenen Folgen haben hart unter meiner Kritik gelitten, auch wenn es hier und da etwas Lobenswertes zu berichten gab. Bereits die letzte Folge unterschied sich qualitativ von denen davor, und Folge sechs hier setzt dem Ganzen noch einen drauf.

Es beginnt in klassischer Kriminalfilm-Atmosphäre. Als eine Schülerin nach einem Fußball-Match der College-Mannschaft auf dem Parkplatz brutal ermordet aufgefunden wird, soll das LAPD für den Schutz der Schüler sorgen. Das Traumduo Lee und Carter erhält den Auftrag, den Mörder ausfindig zu machen und findet sich ganz schnell einem viel größeren Fall auf der Spur.

So langsam scheint der emotional tiefgefrorene Lee aus Hongkong im lockeren los Angeles aufzutauen, doch er selbst weiß es noch nicht. Zu Beginn wird dem Zuschauer eine neue Nebenfigur vorgestellt. Die schüchterne, blonde Alice von der Gerichtsmedizin flirtet hart mit Lee, der allerdings kein Interesse zu zeigen scheint. Im Verlauf der Folge kommt dies nochmal dezent vor und man erwartet irgendwie, dass Carter den Kuppler spielt – doch diese Chance war den Autoren wohl zu cheesy.

Stattdessen sind Lee und Carter einer Pillendreherbande auf der Spur. Die neue Droge namens Raxxa macht die Runde und tötet immer mehr Schüler an der privaten Campwell Academy. Captain Cole schickt ihre Detectives Lee und Carter in die Schule, um als Aushilfslehrer Informationen von den Schülern direkt aufzuschnappen.

Es klingt fast wie der Plot aus „21 Jump Street“ (1987-1991), außer dass Lee die Mädels im Sportunterricht mit seinen Tanzeinlagen bezirzt, während Carter den redefreudigen Psychologenjob übernimmt. In den vergangenen beiden Folgen erkannte man als Zuschauer, dass Diaz, Carters Sidekick, immer mehr in die Plots eingebunden wird, und das ist auch gut so. Hier trägt sie sogar Verantwortung für die Fernüberwachung des Falls und gibt ihrem Kollegen Donovan – Carters Erzfeind, irgendwie – Befehle.

Eine mehrschichtige Story mit verschiedenen Figuren, die noch um Gerald als der Kontakt zur Straße ergänzt wird. Nun kann die Observierung losgehen und prompt wird der Zuschauer auch den Bösewichtern vorgestellt. Das Sinola-Kartell, an deren Spitze die gnadenlose Elisa Montoya steht, fühlt sich in seiner Ehre und seinem Geldbeutel betrogen, als ein Konkurrent in ihrem Revier einen billigen Raxxa-Ersatz verkauft. Die Motive beider Seiten sind klar, doch wer ist der Übeltäter, der den neuen Abklatsch produziert?

Diaz, die sich im Verlauf der Serie vom Sidekick und Flirt von Carter zu einer starken Nebenfigur mit eigener Hintergrundgeschichte entwickelt, hat eine Idee: „Es muss jemand sein, der keine Ahnung hat, mit wem er sich da anlegt.“ Und damit geht die Fahndung nach einem Schüler los, die sie zu einem dubiosen Automechaniker/Dealer führt (gespielt vom großartigen Chris D’Elia), bei dem Didi Diaz erneut Screentime erhält. Ganz ehrlich, Carter und Lee spielen immer weniger die Hauptrolle in ihrer eigenen Serie.

Auch wenn man von dem einen Kampf im Fitnessraum von Lee ganz vage von einer Hommage an Jackie Chans „The Accidental Spy“ (2001) reden kann, wenn überhaupt, steht diese Folge doch ziemlich für sich selbst als Episode einer Krimiserie mit Comedyeinlagen. Diese befinden sich seit Folge fünf übrigens auf dem absteigenden Ast. Als Zuschauer hat man oft das Gefühl, dass sich die Macher nicht einig waren, ob sie versuchen sollen, den Witz der Originalfilme aufleben zu lassen oder ob sie eine Prime-Time-Krimiserie produzieren wollen, die mit leicht abgehalftertem Humor für vereinzelte Kalauer und schmunzelnde Mundwinkel sorgen soll.

In Akt zwei verschwindet die flirtende Alice völlig, nur um dann in Akt drei wieder schäkernd mit Lee aufzutauchen, und man fängt an zu überlegen, ob vielleicht sie die Täterin sein kann. Doch an dieser Stelle kann ich beruhigen: So viel muss man in die TV-Serie nicht reininterpretieren, denn schnell wird den Hauptakteuren klar, dass es einer der Schüler ist. Sein Motiv: Er ist pleite und nur dank eines Stipendiums an der Eliteuni.

Und während Schüler Henry kochte wie ein Heisenberg, den man auf Wish bestellte, erkannte ich persönlich ein wenig Potenzial in der Geschichte. Sie ist nichts Neues oder Innovatives, aber zum ersten Mal beim Sichten von „Rush Hour“ (2016) dachte ich: „Mit einigen Edits könnte die Handlung für sich alleine als Film stehen.“ Nachtrag: „Hoffentlich nicht.“ Denn zu „Rush Hour 4“ habe ich gemischte Gefühle, die hier aber zu weit führen. Stattdessen gehe ich in einer speziellen Podcast-Folge #32 darauf ein (s. Ende des Artikels).

7 | Badass Cop | Badass Cop

VÖ (DE): 22.12.2016 | VÖ (USA): 12.05.2016
Regie: Steve Boyum
Drehbuch: Steve Franks

Manchmal kommt es vor, dass man innerhalb einer Serie an einen früheren Zeitpunkt des Plots zurückkehren muss, um die Reise des Helden aus einem anderen Blickwinkel zu beleuchten. Somit lässt sich ein Charakter tiefer erforschen und neue Handlungsstränge zu einer komplexeren Serie von Aktionen zusammenfügen.

Man kann behaupten, dass dies wohl eines der Motive der Macher hinter der siebten Folge von „Rush Hour“ war. Unterm Strich versucht man den Zuschauer nebenher auf zwei Punkte aufmerksam zu machen:

  1. Lee ist auf der verzweifelten Suche nach seiner Schwester, um die Familie zu retten
  2. Carter ist auf der Suche nach Anerkennung, weil er sich immer übergangen fühlt

Beides sind legitime Ziele der Charaktere, doch es gibt ein großes Problem: Im Verlauf der ersten sechs Folgen wurden diese individuellen Ziele zu marginal behandelt. Sie wurden sogar bis zu einem gewissen Grad für die Charaktere behoben: Lee fand mehrmals seine Schwester, die nun für den Zuschauer offensichtlich (für Lee eben noch nicht) für die USA arbeitet. Und Carter machte sich dank seines neuen Partners Lee in den vergangenen Folgen einen recht ansehnlichen Namen beim LAPD. Woher kommt also das plötzliche Verlangen beider Hauptfiguren?

Ich denke, das Problem besteht darin, dass man die Figuren der Serie von Beginn an zu flach skizzierte. Eine Weiterentwicklung fand teilweise statt, die bereits ihren Höhepunkt erreichte. Es musste eine Art Reboot innerhalb der laufenden Serie vollzogen werden, um erstens daran zu erinnern, wo Lee herkommt und dass er noch eine kriminelle Schwester hat und zweitens neue Kriminalfälle bearbeiten zu können.

Leider ist dieser neue Kriminalfall wenig einfallsreich: Während einer Autofahrt von Carter und Lee zur Hauptverkehrszeit auf dem Los Angeles Highway werden beide Zeuge eines Motorradgang-Überfalls auf einen Transporter. Da aus dem Transporter nichts gestohlen wurde, teilt man der Presse mit, dass Lee und Carter den Gangstern zuvorgekommen sind – ein Handyvideo namens „Badass Cop“ macht derzeit auf Youtube die Runde, woran Carter sich in neuem Glanz erkennt.

Wer dieses Handyvideo gedreht hat, wird überhaupt nicht hinterfragt. Doch die Ermittlungen der beiden Cops führt sie direkt zur Quantou-Gang, bei der Lees Schwester Kim ja aktiv ist. Lees Verlangen, sie zu finden, lässt ihn nicht von der Idee ab, dass dies das Werk der Quantou ist. Doch weitere Hinweise führen über eine ukrainische Motorrad-Gang zu einem australischen Bar-Besitzer in Hollywood.

„The Protector“ (1985) oder „Breaking Bad“ (2008-2013) lassen grüßen, als Carter und Lee den Keller der Bar finden, in dem Chemiker ein Drogenlabor eingerichtet haben. Überraschend ist der Fight gegen den alten Heisenberg, doch wieder einmal ist die Umgebung zu dunkel. Ein Schnittgewitter vom feinsten versaut dem Zuschauer den Genuss auf eine ordentliche Tracht Prügel.

Immer mal wieder macht es beim Zusehen den Anschein, als wäre dies die erste Folge der „Rush Hour“-Serie. Manche Dinge werden angesprochen, die seit vier Folgen kein Thema mehr waren. Lee ist mittlerweile seit Monaten etabliertes Mitglied beim LAPD, doch jetzt erst werden kleine Culture-Clash-Gags von den Autoren hineingeschrieben, die ab diesem Zeitpunkt deplatziert wirken. „In China fangen wir beim Opfer an“, gibt Lee einmal zu Besten. 2016 ein Muss, in allen vorangegangenen „Rush Hour“-Filmen wird Lees Herkunft bewusst auf Hongkong gelegt, nicht China. Zeiten ändern sich.

Was diese Folge noch extrem aus dem Rhythmus bringt und unglaubwürdig wirken lässt – sofern man bei einer fiktiven Serie von Glaubwürdigkeit ausgehen mag –, ist die Tatsache, dass Carters krimineller Cousin Gerald mehrmals zufällig die Handlung in eine zielgerichtete Richtung lenken kann. Ein Zufall pro Film/Folge ist erlaubt, alle weiteren Zufälle sind einfach schlecht geschrieben.

Diese Folge ist nicht gut, sie hat jede Menge Logikfehler. Zum Beispiel lässt Carter zu Beginn zwei Motorradfahrer nach dem Überfall auf komplett freier Fahrbahn davonkommen, obwohl er seit Sekunden die Waffe auf sie richtet und auf wenigen Metern Entfernung hätte abdrücken können. Querschläger hätten es hier fast unmöglich gehabt, andere Personen zu treffen, doch er tut es nicht. Stattdessen schießt er in einem Parkhaus in der Innenstadt auf ein fahrendes Auto, auf dem sein Partner Carter liegt, um die neuen Verdächtigen und letztendlichen Täter zu stoppen.

Die Drahtzieher des Coups werde ich an dieser Stelle nicht verraten, aber ein lustiges Gimmick ist die Fake-Filmliste des Kopfes der Bande, ein ehemaliger Stuntkoordinator. Sein Sohn ist ebenfalls im Filmgeschäft tätig, man erkennt Titel wie: „Transferrers: Age of Execation“ (2014), „The Late Knight Passes“ (2012), „The Browne Lethargy“ (2012) oder auch „The Books of Elias“ (2010). Solche Filmanspielungen enthält die Serie selbst auch: Viele Episodentitel beziehen sich auf einen bekannten Film.

Die Episode begann mit einem Rückblick auf Lees Schwester Kim, verlor sich währenddessen in einem Kriminalfall und endet mit dem versteckten Auftritt Kims, die von einer Stimme im Off auf einen neuen, sehr wichtigen Fall vorbereitet wird. Ein ziemlich mieser Cliffhanger, aber die Serie wird so wohl auf ihr Ende mit allen Storylines vorbereitet.

Nette kleine Erwähnung: Der Shop, in dem Carter seine „Bad Asscop“-Shirts drucken lässt (nein, kein Tippfehler), liegt am Hollywood Boulevard, in der Nähe des Ortes, wo Jackie Chan 1998 am berühmten Straßenschild in „Rush Hour“ hing.

8 | Wingman wider Willen | Wind Beneath My Wingman

VÖ (DE): 29.12.2016 | VÖ (USA): 19.05.2016
Regie: Maja Vrvilo
Drehbuch: Krystal Houghton Ziv

Im neuen Fall der ungleichen Detectives Lee und Carter vom LAPD versucht Carter auf seine amourösen Kosten zu kommen. Als er, wie er es ausdrückt „VL, also vor Lee“, eine Zeugin vor sechs Monaten in einem Safe House unterbrachte, damit gegen ihren kriminellen Boss ermittelt werden konnte, verknallte er sich prompt in die junge Dame. Heute sollen Carter und Lee gemeinsam die Zeugin zum Gericht fahren, wo sie ihre Aussage gegen ihren ehemaligen Boss machen soll.

Und direkt zu Beginn passieren Dinge, die man selbst in einer fiktiven Serie über das LAPD kaum glauben kann. Die Schreiber haben sich dazu entschlossen, Donovan, Carters Erzfeind vom Revier – aus welchen Gründen auch immer –, beide Detectives auf Wanzen zu überprüfen, was so stümperhaft vonstattengeht, dass man sich als Bürger Los Angeles wünschen würde, dass es in echt nicht so ist. Und weil Donovan und Carter sich nicht leiden können, stellt Donovan Lee und Carter eine alte Schrottkarre zur Verfügung, um die Zeugin abzuholen.

Wenn nach über sechs Monaten harter Ermittlungen gegen einen Multimillionär und seine private Sicherheitsfirma wegen Untreue, Korruption und krimineller Attentate ermittelt wurde, lässt keine Polizeistation der Welt es zu, dass zwei Cops in einer Schrottkarre ohne Eskorte zu einem Safe House fahren, in dem die Zeugin alleine ohne zusätzlichen Schutz wohnt. Natürlich fliegt die Karre in die Luft – konnten sich die Macher keine neue leisten?

Natürlich dienen solche Einlagen den kleinen Sperenzien, die zwischen den Haupt- und Nebenfiguren ausgetragen werden, um den Plot interessanter zu gestalten. Aber zu oft wirkt es in der gesamten „Rush Hour“-Serie konstruiert und banal. Auf der Flucht finden dann Carter, Lee und die Zeugin Nina Taylor Unterschlupf bei einem ehemaligen Straftäter, den Carter wegen Flitzens verknackt hat. Was für eine seltsame Entscheidung, man hätte hier eher mit einem Versteck im Untergrund bei Gerald gerechnet.

Das war leider nicht möglich, denn der hat sich mittlerweile einen Halbtagsjob verschafft, schämt sich aber dafür und will es aus Angst vor seinen Homies verbergen. Dennoch fährt er seinen Cousin Carter, Lee und Nina zum Gerichtssaal. Doch zuvor passiert etwas, das den Zuschauer daran zweifeln lässt, ob es clever geschrieben ist oder von der Nina-Darstellerin nur schlecht gespielt:

Das zweite private Safe House beim Flitzer ist recht groß mit vielen verwinkelten Räumen. Dennoch schafft es Zeugin Nina Taylor, alleine auf der Couch so zu sitzen, dass sie genau durch zwei Räume und den Flur hinweg durch den Türspion zu sehen ist. Dadurch wird sie von außen von den Gangstern, die scheinbar ihr Ex-Boss Emmett Perry engagiert hat, um sie zu töten, erkannt, und die Flucht beginnt aufs Neue. Hier fragt man sich zurecht: Ist Nina Komplizin und will gefunden werden oder war dies einfach fahrlässig von den Beamten Lee und Carter, eine Zeugin in Schussrichtung zu platzieren. Wow!

Solche Zufälle und konstruierte Begebenheiten fallen im Writer’s Room recht schnell in einer Diskussion, wenn es darum geht, wie man fiktive Charaktere von A nach B bringen muss. Auch in Folge acht wirkt die Produktion der gesamten Serie recht minderwertig und schnell. Und nur durch diesen Zufall passiert ein weiterer Zufall später in der Geschichte. Die Detectives Lee und Carter haben wie so oft keine Kontrolle über einen Fall, zu keiner Zeit.

Natürlich macht das teilweise den Reiz eines Helden aus, die Verletzlichkeit, allerdings wirkt das gesamte LAPD in Folge acht leider nur lächerlich. Denn selbst als Donovan als verdächtiger Komplize von Firmenchef Emmett Perry in Betracht gezogen wird, fällt es Captain Lindsay Cole nicht ein, ihn unter Arrest zu stellen. Das ganze Vorgehen der Figuren wirkt chaotisch, deplatziert und einfach lustlos recherchiert, wenn es um fachkundige Handlungen wie denen von Polizisten geht.

Während des gesamten Chaos versucht Carter sich natürlich an die Zeugin Nina ranzumachen und muss dabei feststellen, dass sie eine Affäre mit ihrem Boss hatte. Sie beendete sie aber, als sie herausfand, dass er verheiratet war. Auch so etwas weiß man als Sekretärin in der Regel, aber gut, nicht im „Rush Hour“-Kosmos. Carter rückt in Folge acht etwas in den Hintergrund, was vollkommen okay ist, denn Jon Foo hat wieder ein paar Kampfszenen, die leider abermals im Sand des Nichts verebben. Allerdings darf seine Figur hier zum allerersten Mal eine Anekdote aus seiner Zeit aus Hongkong erzählen – dies fehlt in der gesamten Serie.

Ein tolles Easteregg für Filmfans: Gerald isst aus einer „Let’s Pretzels“-Schachtel. „Let’s“ ist eine fiktive Marke aus Hollywood, die sich auf die echten „Lays“ beziehen und allerhand Snacks herstellt, darunter auch Chips. Die Marke „Let’s“ taucht als Kartoffelchipstüten in vielen US-Serien auf, darunter „Community“ (2009-2015), „Brooklyn Nine-Nine“ (2013-2021), „Modern Family“ (2009-2020) und „New Girl“ (2011-2018). Leider nicht in den „Rush Hour“-Filmen.

Der Fall USA gegen Emmett Perry scheint interessanter zu sein, als die gesamte Folge, in der es darum geht, die Zeugin zum Gerichtssaal zu bringen, was jedoch durch mehrere Mordversuche versucht wird zu verhindern. Doch warum sollte Emmett Perry sie töten wollen? Tut er ja nicht, das übernimmt jemand anderes für ihn, der Rache nehmen möchte. Und warum der Multimillionär eigentlich vor Gericht steht, wird auch nicht erwähnt; ist aber auch egal irgendwie.

Aus Angst zieht Nina erstmal nach London und Carters monatelange amourösen Bemühungen enden in einem freundschaftlichen Kuss auf die Wange. Wieder einmal erhält der arme Carter keine Anerkennung für seine Arbeit. Auch wenn Lee gelernt hat, was ein Wingman ist, für seine Figur gab’s dieses Mal keine Entwicklungen.

9 | Alles für die Familie | Prisoner of Love

VÖ (DE): 05.01.2017 | VÖ (USA): 23.07.2016
Regie: John Badham
Drehbuch: Trey Callaway

Wie gut, dass ich diese Folge aufgezeichnet habe. Denn nur so konnte ich der Handlung einigermaßen folgen, indem ich die ersten zehn Minuten ein zweites Mal aufmerksam verfolgen musste. Im Grunde handelt es sich um eine einfache Geschichte, die leider viel zu kompliziert erzählt wird … entschuldigt, gezeigt wird?!

Und das ist erneut ein großes Problem in Episode neun, es wird geredet und geredet und geredet und viel zu wenig gezeigt. Aus dem Leitsatz „Show, don’t tell“ wird bei „Rush Hour“ (2016) leider „Tell, don’t show“. Und vielleicht war das mit ein Grund, warum das Publikum bei der Premiere nach nur wenigen Episoden angeödet war.

Zur Story: Steven Baker, ein Sträfling, der seit zwölf Jahren wegen Mordes in Boston im Gefängnis sitzt, bricht aus und ist auf dem Weg nach Los Angeles. Das FBI benötigt die Hilfe des LAPD und natürlich werden Lee und Carter auf den Fall angesetzt. Vom FBI fehlt während der gesamten Ermittlung jede Spur, aber die Behörde wird eh nur in einem Satz ganz zu Anfang erwähnt.

Das ungleiche Duo fragt sich, was ein Sträfling aus Boston, Massachusetts, in Los Angeles, Kalifornien, machen will. Wie so oft ist es Diaz, die mit ihrem detektivischen Talent Informationen herbeischafft. Für Carter, der ständig versucht, Anerkennung zu bekommen, scheint das mittlerweile selbstverständlich geworden zu sein und so respektlos geht er auch mit Diaz um. Doch ihm fällt’s nicht mal auf. Also erklärt Diaz ab sofort alles Lee, der nebenher als einfühlsamer Cop und sexy Mitarbeiter für Captain Cole seine Charaktereigenschaften in der Serie erweitert. Echt schräg und unpassend.

Es stellt sich schließlich heraus, dass Steven Baker eine Ex-Frau in Los Angeles hat und eine Tochter, die er aber nie kennengelernt hat. Jetzt wird’s tricky: Die Tochter weiß nichts von ihrem Vater. Und wie sooft kann der Zuschauer schon zu Beginn der Folge erraten, was hier eigentlich abgeht. Der Rest um die Bösewichte wird zum nervigen Beiwerk.

Und diese Bösewichte stammen aus den tiefsten Tiefen der Stereotyp-Schublade. Elliot Vaughn war ein erfolgreicher, wenn auch zwielichtiger Anwalt, und Steven Bakers ehemaliger Boss. Bei einem Rechtsfall wurde vor zwölf Jahren nicht nur Steven Baker verknackt, sondern auch Vaughns Sohn. Leider wurde dieser dann später im Knast ermordet. Schuld daran hat natürlich, laut Elliot Vaughn, Steven Baker.

An dieser Stelle wird’s kurios und echt lächerlich: Der Skandal von damals hat Vaughns Anwaltskanzlei zerstört, sodass er sich beruflich umorientierte. In LA gründete er einen kleinen Blumenladen. Sein extravaganter Lebensstil blieb ihm aber erhalten. Und trotz dieser Auffälligkeiten kommt es den beiden Top-Cops Lee und Carter nicht in den Sinn, ihn näher zu beleuchten. Ernsthaft? Wenn ich als zwielichtiger Anwalt pleitegehe, gründe ich keinen kleinen Blumenladen, um abzutauchen. Das zieht Blicke an. Ich gründe entweder eine Business-Beratungsfirma oder arbeite für oder mit meinen zwielichtigen Partnern.

Aber über Logikfragen sind wir bei dieser Serie lange hinaus. Auch in dieser Folge gibt es viel zu viele davon. Zum Beispiel wird bereits nach dem ersten Akt erkannt, dass es einen Brief an Steven Baker gab, der wohl von seiner Tochter stammt. Doch erst nachdem Baker auf Lee und Carter trifft, fangen die beiden an, ihn zu inspizieren. Dann lieh sich Baker ein Auto, doch sein Perso wird erst geprüft, wenn er mit dem Automakler schon 20 Minuten unterwegs ist. Der springt dann auch noch tatsächlich aus dem fahrenden Auto. An anderer Stelle fällt Carter in einen Pool und seine Reaktion darauf ist mehr als merkwürdig:

„Ich hasse Pools!“ Was für eine Aussage ist das denn? Wer hasst denn Pools? Und hätte er es nicht so schlimm gefunden, wenn er stattdessen in einen Teich gefallen wäre? Das ergibt keinen Sinn. Aber hätten die Autoren geschrieben, dass er Wasser hasst, hätte man ihnen einen rassistischen Unterton unterstellen können. Zumal in dieser speziellen Szene Carter mit einem weißgepuderten Gesicht plakativ im Bild auftaucht. Kein Kommentar, aber Slapstick auf Grundschulniveau.

Da Steven Bakers Tochter also den Brief an ihren noch unbekannten Dad geschrieben hatte, müssen sie und ihre Mutter jetzt fliehen, weil sie aus irgendeinem Grund mitbekommen hat, dass sie in Gefahr sind. Jemand aus Elliott Vaughns Team ist hinter den beiden her, um sie als Köder für Steven Baker zu benutzen, damit Vaughn am Tod seines Sohnes Rache üben kann.

Und tatsächlich sagt der Bösewicht, ein Millionär und hochkrimineller Gangster, dass er ihn zwischen den Pflanzen auf der südkalifornischen Pflanzenmesse kalt machen will. Was zur Orchidee ging denn im Writer’s Room bei der Besprechung dieser Folge ab? Das Ganze soll natürlich ohne Schalldämpfer zwischen Tausenden Besuchern unauffällig stattfinden, ist klar.

Das anfängliche Informationschaos von Folge neun legt sich zwar nach einigen Minuten, dennoch bleibt der Eindruck, dass die Macher hier lieber eine Story nacherzählen, anstatt sie zu zeigen. Dennoch ist zwischen all den Miesmuscheln eine Perle versteckt. Jon Foo legt einen beeindruckenden Stunt auf der Rolltreppe hin, der meiner Meinung nach unterschätzt ist. Selbst wenn hier Drähte benutzt wurden, mindert das nicht die Gefahr, in der er sich begab. Schaut ihn euch an, soll hier ein wenig an „Police Story“ (1985) erinnert werden?

10 | Der Geist des Le Château Franc | Knock, Knock… House Creeping!

VÖ (DE): 12.01.2017 | VÖ (USA): 30.07.2016
Regie: James Roday
Drehbuch: Carlos Jacott

Ein alter Fall von Captain Cole scheint in LA wieder aufzuflammen, als im Le Château Franc ein Mädchen während einer Party verschwindet. Lee und Carter sollen der Vermisstenmeldung ihrer Schwester nachgehen und finden sich schnell in einem Irrgarten der Informationen und Hotelgängen wieder.

So chaotisch auch die Folge zuvor war, so geordnet und spannend empfand ich Episode zehn. Ich würde sogar so weit gehen, dass es die beste Folge der gesamten Serie ist. Die Geschichte entfaltet sich, man erhält in zeitlich angemessenem Rahmen Hintergrundinformationen zu den Figuren, bekannte Charaktere haben unterhaltsame Cameos und vor allem sind die Motive der Personen klar.

Captain Lindsay Cole ist schon lange beim LAPD. Als sie von dem Vermisstenfall erfährt, klinkt sie sich in die Ermittlungen ein. Der Fall war für sie ungeklärt und sie möchte ihn endlich abschließen. Sie erzählt in einem tollen Rückblick, wie der Psychopath Thomas Shea zu ihren Außendienstzeiten hübsche, junge, naive Mädchen im Hotel Château entführte, quälte und ermordete. Er entging ihren Ermittlungen damals nur knapp und täuschte seinen Tod vor.

Während Coles Motiv Klärung eines alten Falls ist, versucht Carter bei der Schwester des Opfers zu landen. Ein waghalsiger Versuch, Krimi und Comedy zu verbinden, was die „Rush Hour“-Filme ja ausmachen. In diesem Fall gelingt es sogar ganz gut. Die Autoren setzen pointierte Gags, zum Beispiel als der erste Verdächtige von Carter vor seiner Haustür befragt wird und Carter antwortet:

„Es ist nicht so, dass wir Ihnen nicht glauben. Uns gefällt Ihre Geschichte nur so gut, dass wir Sie mit aufs Revier nehmen wollen, damit die anderen sie auch hören.“

Diese Zeilen gewinnen keinen Oscar, aber es ist einer der kreativsten Dialogfetzen der ganzen Serie und sorgt für ein Schmunzeln. Aus dem Schmunzeln wird ein Lächeln, da Lee und Carter endlich wieder ihre unterschiedlichen Kulturen ausleben können, was zu typischen Missverständnissen führt, die für den Zuschauer natürlich amüsant sind.

Auch Gerald, Carters kleinkrimineller Cousin und helfende Hand auf Ehrenbasis, sowie Alice, die etwas kecke Pathologin des Reviers, tauchen wieder in Nebenauftritten auf. Gerald, Lee und Carter fahren zu Beginn der Folge in einem Touristenbus durch Hollywood, nachts, was Ähnlichkeiten zur Szene in „Rush Hour“ (1998) aufweist. In diesem Fall empfinde ich es sogar als positiv, dass Jon Foo hier nicht Jackie Chan imitiert und sich an einem Hollywood-Schild festhält. Die Macher lenken den Fokus stattdessen auf die Geschichte.

Und diese wird zum ersten Mal richtig spannend erzählt. Dafür sorgen auch Kamerafahrten, neue Perspektiven und Zooms, die das Ganze dezent untermalen. Man merkt richtig, dass diese Kleinigkeiten, die eine große Wirkung beim Zuschauer hinterlassen können, in den anderen Folgen zum großen Teil gefehlt haben. Oder man war abgelenkt von all den zu sich schnell präsentierenden Informationen.

Obwohl die Kämpfe hier wieder mal rar gesät und zu dunkel geerntet wurden, gibt es Lob für eine kreativere Ausführung. Jon Foo legt ein paar unterschwellige Jackie-Chan-Moves ein. Und am Ende gibt’s ein klassisches Happy End: Die Schwester wird befreit, der Bösewicht ist tot, Captain Cole darf ihren alten Fall abschließen, Alice nähert sich Lee und Gerald darf den Touristenbus moderieren. Nur Carter geht mal wieder leer aus.

Und leider ist Carter in dieser Geschichte echt das schwächste Glied. Anstatt bei schlechtem Handyempfang im Folterraum kurz rauszugehen, schaltet er Diaz wüst ab und begibt sich selbst, Lee und Captain Cole in Gefahr. Ich habe es schon mal erwähnt, Lee und Carter fühlen sich oft fremd in der eigenen Serie an – hier und heute trifft das nur auf Justin Hires Figur zu.

Und was braucht eine gute Krimigeschichte? Richtig, einen Bösewicht. Und, Junge, was haben sich die Autoren diesmal für einen Bilderbuchbösewicht einfallen lassen. Nicht nur dass er als Psychopath seinen eigenen Tod fingiert hat und weiterhin im Mordhotel zu leben scheint. Nein, er arbeitet auch mit einem Komplizen, den ich hier nicht erwähnen werde.

Alles in allem war ich nach dieser Folge zum ersten Mal zufrieden für „Rush Hour“-Serienverhältnisse.

11 | Teddy, Peanut, Pickle Ring | O Hostage! My Hostage!

VÖ (DE): 19.01.2017 | VÖ (USA): 06.08.2016
Regie: Steve Boyum
Drehbuch: Brian Chamberlayne

Nachdem sich Captain Lindsay Cole und Detective Carter am Schießstand der LAPD ein Battle geliefert haben, das Captain Cole ganz klar gewonnen hat, macht sie sich auf den Weg zu einem Date. Zum zweiten Mal erleben wir hier also einen Einblick in den Alltag einer wichtigen Nebenfigur, den man sich schon gerne früher gewünscht hätte.

Cole ist zwar zu früh im Konzertsaal, doch wird dadurch Zeuge eines seltsamen Verhaltens von einem der Gäste. Typisch Captain verfolgt sie ihn und muss feststellen, dass Morde geschehen sind. Der gesamte Konzertsaal wird abgeriegelt und Captain Cole fungiert kurzerhand als Inside Woman.

Das Setup wirkt erst sehr interessant und vielversprechend und erinnert an Filme wie „City Hunter“ (1993) oder „Die Hard“ (1988). Und genau das gibt auch Captain Cole an einer Stelle zu verstehen, wenn sie einer jungen weiblichen Geisel versucht Mut zu machen:

„Klingt bisschen wie ‚Stirb langsam‘. Ich bin Bruce Willis, nur mit Strähnchen.“

Und als Zuschauer schmunzelt man noch über dieses Easteregg und wünscht sich, dass Captain Lindsay Cole einmal so richtig aufdrehen darf. Durch ihre jahrelangen taktischen Erfahrungen tut sie das auch, indem sie aufmerksam das Verhalten der Geiselnehmer beobachtet, die ziemlich amateurhafte Fehler begehen. Ein Fehler ist das in einer Geiselnehmertasche beiliegende Foto des Mädchens, an das sich Cole anschleicht.

Warum sollten Geiselnehmer solch aussagekräftigen Beweise zum Tatort mitschleppen? Berechtigte Frage, die sich wohl auch Cole stellte. Es müssen Amateure sein. Lee und Carter geraten in dieser Folge in den Hintergrund, was der Story aber keinen Abbruch leistet. Sie stehen in Kontakt zu ihrem Captain, der leider mit schlechtem Handynetz im Konzertsaal zu kämpfen hat – blöder Zufall!

Carter und Lee versuchen den leitenden Lieutenant Holt von ihren Beweisen zu überzeugen, dass die Geiselnahme scheinbar eine Ablenkung ist, doch der und sein Commander trauen den beiden Detectives nicht. In einer kurzen Einstellung sieht es gar so aus, als würde Lee dem wirklich suspekten Verhalten des Commanders nicht trauen. Der Zuschauer wird hier, wie man später feststellen muss, bewusst auf eine falsche Fährte gelockt, um die 08/15-Geschichte etwas aufzupeppen.

Wie sich herausstellt, soll die Tochter eines Milliardärs, die zufällig in der Stadt ist und alleine in ein Konzert geht, 24 Stunden gefangen gehalten werden, um einige Millionen auf ein Schweizer Konto zu überweisen. Es werden Forderungen gestellt, die sich als Ablenkung herausstellen, und an dieser Stelle hätte die Geschichte „24“-mäßig richtig spannend werden können. Doch gerade in dieser Folge erkennt man das stoische Gesicht von Lee und das nervige Verhalten von Carter als absolut zu flach an. Zum Glück versuchen Donovan und Didi Diaz etwas Schwung reinzubringen.

Papa Pickering will keine Zeit verlieren und das Geld überweisen. Warum auch nicht, er hat’s ja. Dennoch wollen Lee und Carter ihn seltsamerweise davon abhalten und bringen alle Geiseln im Konzertsaal damit in Gefahr. Um dies zu verhindern, suchen sie sich unbemerkt von Geiselnehmern und Commander Taymore einen Weg ins Innere, wo sie die echt mies vorbereiteten Gangster ausschalten.

Doch wer sind diese Leute, was ist ihr Motiv? Wie sich gegen Ende herausstellt, wollte ein ehemaliger Mitarbeiter von Pickering sich einfach nur für seinen Rausschmiss rächen. Was für eine lahme Geschichte, die man hier versucht, mit diversen Nebenhandlungen um Captain Cole, Diaz und Donovan, aufzupeppen. Man bleibt als Zuschauer mit Fragen zurück wie:

  • Warum tippte Captain Cole immer auf ihre Uhr?
  • Warum wird am Ende kein Fokus auf die Pickerings gelegt?
  • Wieso wird niemand verhaftet?
  • Und was war dieses suspekte Verhalten von Commander Taymore?

Ich glaube, und ich kann mich täuschen, dass man mit Folge elf einfach nur noch fertig werden wollte, da einem die Zeit ausging. Diese Hetze sollte man auch den letzten beiden Folgen anmerken.

12 | Alte Bekannte | The Dark Night

VÖ (DE): 02.02.2017 | VÖ (USA): 13.08.2016
Regie: Stephen Herek
Drehbuch: Blake McCormick

„Swatting“ ist das Wort, das ich dank dieser Episode lernen durfte. Es bedeutet wohl so viel wie, dass sich unbekannte Anrufer einen Spaß daraus machen, ein Sondereinsatzkommando anzufordern, obwohl das eigentliche Vergehen nur eine Streife benötigen würde. Also unverhältnismäßiger Einsatz von behördlichen Mitteln, um jemandem einen Streich zu spielen. Wie das in der Realität umzusetzen ist, bleibt mir ein Rätsel, und ist wohl, wenn überhaupt, ein rein amerikanisches Problem.

Das scheint auch Detective Lee so zu sehen, als er und Carter aus Diaz‘ Haus – immer noch Lees „vorübergehender“ Unterschlupf in LA – zu einer Einsatzbesprechung von Captain Cole zitiert werden.

Ein dubioser TV-Pastor wurde geswattet und mit Nutten zuhause erwischt. Jetzt ist sein Ruf ruiniert, was er während seiner nächsten Live-Predigt berichtigen will. Lee und Carter ermitteln vor Ort und werden Zeuge, wie der TV-Pastor mit einem gezielten Kopfschuss live vor Publikum hingerichtet wird. Sie schnappen den Mörder, doch auf dem Parkplatz wird er beim Abführen ebenfalls hingerichtet.

Aus viel zu schnell erklärten Gründen ermittelt das ungleiche Duo im Anschluss am berühmten Redondo Beach, wo kein Schwein zu sehen ist, außer einem Techniker, der so laut mit sich selbst redet, dass Carter ihn ertappt. Auch hier mangelt es den Schreiben offenbar an Kreativität. Carter wird nach einer Verfolgungsjagd ausgeknockt und ist überrascht, dass der Angreifer ihn zu kennen scheint – er erinnert sich nicht an ihn.

Die zweite TV-Hinrichtung findet live auf offener Straße in den Nachrichten statt, als ebenfalls ein wohlhabender weißer Mann für seine Sünden büßen muss. Mit einem Knopf im Ohr, was schon in der Folge zuvor ein wichtiges Filmelement war, gibt der Angreifer dem Opfer Sätze durch, die es widergeben soll. Schuss, tot, und schon wieder mitten in die Stirn. Ein ausgebildeter Scharfschütze arbeitet also für einen Psychopathen, aber warum?

Gerade als man in der Story angekommen ist, erinnert man sich daran, dass dies die vorletzte Folge der gesamten Serie ist, und immer noch keine Kim Lee aufgetaucht ist. Dabei scheint sie doch für die USA als Undercover-Agentin zu ermitteln. Es scheint, als wollten die Macher dies in einer zweiten Staffel thematisieren, und genau ab diesem Punkt überschlagen sich die Ereignisse.

Alles läuft viel zu schnell ab, es gibt Handlungssprünge und natürlich sich häufende Logikfehler. Zum Beispiel darf auch hier Carters krimineller Cousin Gerald nicht fehlen. Er setzt sich für den Fall ein, steckt dem Team Infos zu und nimmt sogar an einem nicht von Captain Cole genehmigten Undercover-Einsatz teil, indem er sich als Techniker verkleidet, um so den narbengesichtigen Attentäter aus der Reserve zu locken. Seine Beweggründe bleiben wie sooft für jeden ein Rätsel. Doch für Captain Cole und ihr Team scheinen sie logisch zu sein, denn selbst als sie den Zivilisten Gerald befragt, kommt ihr nicht in den Sinn klarzustellen, dass dies gegen die Vorschriften ist.

Handlungslücken führen zu Handlungssprüngen, und auf einmal erinnert sich Carter doch an einen alten Fall, als er mitbekommt, dass der Attentäter, den er zuvor angeschossen hatte, ein künstliches Bein hat. Vor vielen Jahren rettete Carter einen Mann aus einem brennenden Auto, wobei seine Frau und sein Kind leider verstarben. Dieser Mann will sich jetzt rächen und zwar, Achtung, an dem Automobilhersteller seines damaligen Wagens!

Ich traute meinen Ohren kaum, als mir dieses Motiv präsentiert wurde. Erstens hätte ich es logischer gefunden, dass er sich gegen Carter wendet, weil er ihn und nicht seine Familie gerettet hatte, sodass er jetzt mit dem Schmerz der Einsamkeit alleine durchs Leben gehen muss. Und zweitens erklärt das für mich nicht das Zusatzmotiv, warum auf einmal alle wohlhabenden Menschen für das Elend dieses Mannes schuld sein sollten. Mit der Erklärung, dass Carter ihm die Augen geöffnet habe, ist es für mich damit nicht getan.

Motive, Motive, Motive … Donovan gibt Lee einfach so den Schlüssel zu seinem Motorrad, obwohl er in Konkurrenz mit ihm steht, nur um den Fall zu lösen. Als hätte das LAPD nicht am Einsatzort auch Cops rumlaufen oder andere Reviere. Weil das Auto damals in Flammen aufging, müssen jetzt ein paar Manager brennen. Und warum helfen die beiden Handlanger eigentlich dem Narbengesicht? Wie kann er sich das leisten? Und warum wird nicht gegen sie wegen illegalen Waffenbesitzes ermittelt?

In der Serie „Rush Hour“ (2016) kommt man sich manchmal vor wie als Spieler des alten Lego-Computerspiels auf der Insel. Es gibt einen begrenzten Platz mit begrenzten Figuren und nur wenige Missionen, die man wirklich spielen kann. Für alles andere gibt es Zufälle, Logikfehler und Gerald. Was für eine NPC-Serie …

Und leider muss ich an dieser Stelle das Review dieser vorletzten Folge beenden, denn genauso schnell kommt die Episode an sich zu einem jähen Ende, als Carter das Narbengesicht erschießen muss und damit, meiner Meinung nach, noch viel zu lange wartet. Die emotionale Tragik dahinter ist filmisch nicht gut umgesetzt und in einem Spielfilm eigentlich ein Finale wert, doch Justin Hires hat leider nicht das Kaliber, diese Emotionen in einer TV-Serie zu channeln.

13 | Showdown in L.A.| Familiee Ties

VÖ (DE): 02.02.2017 | VÖ (USA): 20.08.2016
Regie: John Putch
Drehbuch: Trey Callaway & Carlos Jacott

Was mich während der gesamten Serie beschäftigt hat, war die Frage: Wie bringen die Autoren die kaputte Geschwisterbeziehung zwischen Kim und Jonathan Lee wieder zu einem Punkt, an dem beide nach vorne blicken können? Denn dass dieser Konflikt in einem Happy End enden musste, war mir bei dieser Art TV-Serie eigentlich von vornherein klar. Ebenso würde sich eine Wiedervereinigung in einer zweiten Staffel positiv auf die Plot-Entwicklung auswirken. Doch soweit kam es bekanntlich nicht.

Nach nur 13 Folgen war Schluss für Jonathan Foo und Justin Hires und ich muss sagen, ich bin froh drum. Denn weitere Folgen hätten mich wahrscheinlich an diesem ausführlichen Review gehindert. Auch wenn Kim Lee im Staffelfinale zurückkommt und einige Plot Holes gestopft werden, geschieht das doch alles mehr schlecht als recht und soll, meiner Meinung nach, nur noch zu einem Abschluss dienen.

Nach einem kleinen Rückblick auf Kims Auftritte in der Serie wird der Zuschauer ebenfalls daran erinnert, dass sie ja verdeckt fürs CIA arbeitet. Oder war es das FBI? Tatsächlich werden hier diverse Behörden durcheinandergeworfen und man verliert den Überblick. Ein aktueller Bankraub mit Gas sorgt bei dem LAPD für Trubel, während zeitgleich in Hongkong ein bulliger Bösewicht den Untergrund aufzumischen scheint. Nach Folge eins sieht man hier erst zum zweiten Mal wieder die Skyline von Hongkong. Stockmaterial, denn gedreht wurde in Los Angeles.

Lee und Carter, das ungleiche Duo, soll die gestohlenen Banknoten auftreiben. Hilfe ist ihnen dabei der Techniker des Reviers, Donovan, und Sidekick Didi Diaz. Wie es auch anders nicht sein kann, führen die Spuren zu Gerald. Dieser bekam zufällig eine gefälschte Banknote in die Finger und soll jetzt ebenfals helfen, den Fall zu lösen. Warum? Nun ja, das LAPD scheint sonst keine Cops mehr zu haben. Diese Figurenkonstellation ist seit Folge eins an statisch und wird nie von den Charakteren selbst hinterfragt.

Kim Lee wird unterdessen vom Quantou-Boss, dem Drachen, gespielt vom großartigen James Hong, dazu beauftragt, ein Treffen der größten Syndikate in Los Angeles zu organisieren. Es tauchen bekannte Namen auf, wie die ukrainische Mafia, aber auch neue. Es ist offensichtlich, was hier vorgeht: Die Hongkonger-Gangsterbande namens Quantou will sich den amerikanischen Schwarzmarkt zu eigen machen, startend in Los Angeles. Wussten wir schon, wird jetzt aber nochmal verstärkt.

James Hong erklärt in einer einem chinesischen Bösewicht viel zu stereotypischen Umgebung, wie und warum er das vorhat. Ganz einfach: Seit mehreren hundert Jahren ist Quantou aktiv und demnach sei es ihr Recht zu herrschen. Nehmen wir das im Finale einfach mal so hin und hoffen auf ein Spektakel.

Doch dies bleibt leider aus. Bis dahin passieren dermaßen viele Logikfehler, dass ich auf den Mittelteil hier kaum eingehen kann. In einer frühen Folge verfolgen Lee und Carter Kims Schwester in eine seltsame Gegend, wo der Drache sein Hauptquartier hat. Dort bringt Lee eine Wanze an der Rückseite einer Lampe an. Jetzt will man dem Zuschauer also weismachen, dass nach Monaten erstens diese Wanze nicht entdeckt wurde und zweitens immer noch funktioniert? Dieses Element passt halt super zur Storyentwicklung, denn nur dadurch gelingt es dem LAPD, das Treffen der Clans ausfindig zu machen und hochzunehmen.

Doch auch das geht nicht ohne Probleme vonstatten, weil man anscheinend, wie zuvor erwähnt, zu wenig Personal beim LAPD hat. Aber Moment, wurde nicht Kim Lee vom CIA oder FBI oder MSS eingeschleust, um genau so einen Zugriff mitzuleiten? Wo sind die Strippenzieher von oben genannten Institutionen? Jahrelanges Untertauchen von Lees Schwester hat letztendlich für diese Geschichte null Auswirkung. Sie dient lediglich als Rechtfertigung für einen gutgemeinten Plot Twist: Denn es war der Drache selbst, der Lees Eltern ermordete. Schockschwerenot!

Und zum ersten Mal erleben wir Jonathan Foo-rios, sodass er fast zum Mörder wird. Doch das war’s auch schon mit der emotionalen Bandbreite. Als sich im Nachgang noch herausstellt, dass ein Agent Yu Teil der Quantou war und die CIA anscheinend Bescheid wusste, wird kein großes Fass aufgemacht, sondern von Captain Cole verlangt, dass ihr Team geehrt wird. Kim fliegt zurück nach Hongkong, sagt ihrem Bruder, dass er sie jederzeit besuchen kann, Lee bleibt aber aus noch unerfindlichen Gründen in LA – zu dem Zeitpunkt war vielleicht noch eine zweite Staffel geplant –, und bei keiner der Figuren stellt sich eine Veränderung ein. Das letzte Bild der Serie ist bezeichnend dafür, wie wenig Entwicklung im Stoff vorhanden ist, denn alle sitzen bei Diaz zuhause am Tisch. Die arme Frau, kriegt sie eigentlich Miete von Lee? Wann sucht sich Lee mal was Eigenes? Fragen über Fragen und dann war einfach so Schluss.


An dieser Stelle bedanke ich mich bei Christian Sadjak für seine Unterstützung. Dank seiner digitalen Aufnahmen aus dem TV konnte ich Screenshots entnehmen.


Meister aller Podcasts #32:
Rush Hour Franchise: Trilogie, Serie, Reboot?